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Die sonnigen Seiten der Jobsuche

Freitag, März 12th, 2010

Ich habe von Oktober 2009 bis Februar 2010 versucht eine Arbeitsstelle zu finden. Ich habe deutschlandweit gesucht und über 60 Bewerbungen geschrieben. Unter den Absageschreiben und Vorstellungsgesprächen waren immer wieder einige Highlights dabei, die mich irgendwie zum Lachen gebracht haben.

1) Können Sie sich vorstellen umzuziehen?

Bisher weiß ich immer noch nicht, ob diese Frage arbeitsrechtliche Gründe hat, oder man mir persönlich nicht zugetraut hat, dass ich 5km von zuhause wegziehen kann. In jedem Vorstellungsgespräch wurde ich das gefragt und habe mich immer gefragt, was sich für Leute auf Stellen bewerben und denken, dass sie alles von zuhause aus machen können. Ich habe keine Ahnung.

In einem Vorstellungsgespräch mit einem Internetportal-Betreiber im Bereich Gesundheitswesen wurde mir dazu die dreißteste Frage gestellt: “Ist diese Stelle ein Ticket für Sie um rauszukommen?” War erstmal ziemlich baff, weil ich mich fragte, wo ich denn rauskommen will und vor allem wohin? In die sensationelle Kleinstadt Köln? I don’t think so.

2) Der personelle Bedarf besteht nicht!

“Sehr geehrte Frau X, uns ist gerade aufgefallen, wir haben gar keinen Bedarf an einem weiteren Mitarbeiter.” Diese Information habe ich mehr als einmal in einem Schreiben/Email gelesen.

Einmal war es eine Traineestelle bei einem Personaldienstleister, die ihr Traineeprogramm lieber um ein Jahr verschieben wollte, wär gerade so viel los. Das ist Ihnen aber wenigstens schon nach zwei Monaten aufgefallen. Mein persönlicher Favorit ist das Bundesministerium mit der jüngsten Ministerin im Kabinett Merkel II: Bewerbungsfrist war bis Ende Oktober, Mitte Dezember wurde eine Rundmail verschickt, dass sie doch länger in der Auswahl brauchen als gedacht, und Mitte März wird mitgeteilt, dass der Personalbedarf doch nicht besteht. Das sowas erst nach fünf Monaten auffällt und nicht vielleicht schon BEVOR man eine Ausschreibung macht?! Mmh…

3) Es liegt nicht an Ihnen!

Ja, an wem denn sonst?! Liegt es nicht an meinen Qualifikationen, liegt es an meiner Person. Liegt es nicht an meiner Person, liegt es an meinen (nicht-vorhandenen) Qualifikationen. Am schlimmsten sind Stellenausschreibungen, die an dich gar keine Hard-Skills fordern.

Eine Straßenverkehrsgenossenschaft aus dem Süden Deutschlands hatte mir ein Ablehnungsschreiben geschickt, das von einer sehr kreativen Mitarbeiterin verfasst wurde. Ich hoffe es zumindestens. “Leider passen Ihre Qualifikationen nicht zu unserer Stelle. Aber schicken Sie Ihre Unterlagen sofort weiter, damit sie bald in einer Personalakte ihr Zuhause finden.” Und ich so…yeah, yeah.

Eine Bundesoberbehörde war da leider nicht so furchtbar motiviert. Nachdem ich nach drei Monaten immer noch nichts zu meiner Bewerbung gehört hatte, habe ich eine Email geschrieben, um zu wissen, wie denn so der Stand ist. Folgende Antwort: “Wir haben uns aus den Bewerbern, die herausgesucht, die wir zu Vorstellungsgesprächen einladen werden. [Absatz] Sie sind nicht dabei. [Absatz] Bei weiteren Fragen, wenden Sie sich an…” Ällebätsch, nönönönönö, hätte es auch getan.

4) Was machen Sie nochmal?

In jedem Vorstellungsgespräch darf man sich und seinen Lebenslauf nochmal kurz vorstellen, um die Highlights und die eigenen Stärken mit verbalen Textmarkern zu bepinseln. Mein persönlicher Eindruck war eher jener, dass die anwesenden Menschen nicht wirklich wussten wer vor einem sitzt.

Ich hatte ehrlich gesagt nur bei einem Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister den Eindruck, das die Person wirklich wusste mit wem sie es zu tun hatte. War auch das angenehmste Gespräch von allen.

Beim aller ersten Vorstellungsgespräch, bei einem Ableger einer berufsständische Körperschaften des öffentlichen Rechts, begann die kleine Smalltalk-Runde mit folgender Aussage: “Ich halte nichts von Pädagogen, nur das Sie es wissen!” Ja, gut, dass Sie einen Pädagogen suchen und bei der Auswahl mit dabei sind.

Bei einem Interessensvertreter der Elektro- und Metallindustrie starrte mir der Personalleiter erstmal 10min lang nur auf meine sekundären Geschlechtsmerkmale, schlief ab und zu ein und am Schluss wurde ich nach einer Abkürzung gefragt, die ich in meinem Lebenslauf benutzte. Hab es versucht zu erklären, Bereichsleiter will es selber versuchen, ich korrigiere nochmal und dann kommt: “Ja, das kenn ich nicht.” Mmh, eine gängige Abkürzung der schulischen Abschlüsse auf europäischer Ebene, kennt ein Bereichsleiter Bildung nicht? Naja, wirkt ja fast menschlich. Mir wurde dann zwei Tage später abgesagt und sechs Wochen später habe ich nochmal ein ordentliches Absageschreiben via Email bekommen.

Also, es ist wirklich schlimm, was da in den poshen Recruitmentabteilungen abgeht. Irgendwie nix.

Bee